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Das Jahr 2008 begann die Hymer AG noch mit "stolz geschwellter Brust" und kein Wölkchen konnte die Aussichten auf satte Erträge trüben - und so verhielt man sich auch dann. Es wurde produziert auf "Teufel komm raus"; und wenn es der Wettbewerb zuließ, gönnte man sich satte Aufschläge auf bestehende und noch zu produzierende Versionen. Es schien, als spielten Produktionskosten keine Rolle. Hersteller und Handel lebten gut davon. Ist heute doch fast jedes Fahrzeug ein Unikat. Doch schnell stöhnte die hymer'sche Händlerschaft (und nicht nur diese), als Deutschlands Banker ihre Mogelpackungen öffneten, und Monat für Monat füllten sich die Betriebshöfe der Caravaninghändler der gesamten Branche und wurden nicht leer. Um es klar zu sagen, anderen Händler anderer Marken ging es nicht besser. Was war geschehen? Die Finanzkrise deckt vieles, aber nicht alles
Nun, ein Schelm, der heute behauptet, dass die Finanzkrise für die Caravan- und Reisemobilhersteller gerade rechtzeitg kam, um die Überproduktionen zu vertuschen, das mag wohl schamlos übertrieben sein, doch das Körnchen Wahrheit lässt sich nicht wegargumentieren. So war es denn geschehen, dass man im Taumel der eigenen Unfehlbarkeit auf den Chefetagen derart daneben lag wie selten zuvor. Lag es an der Qualität der falsch eingekauften Spezialisten - Geschäftsführer, Vorstände etc., oder an den Kunden, die sich im Zuge einer durch die Raffgier von skrupellosen Banker verursachten Pleiten und nachfolgenden Kreditverweigerungshaltungen, die teueren Reisemobile und Wohnwagen nicht mehr leisten wollten oder konnten. Es ist von allem etwas dabei. Musterschüler mit Versetzungsproblemen
Der Gegenwind ließ nicht lange auf sich warten, noch lange vor dem Caravansalon 2008 waren die Zeichen eindeutig: Zuviel produzierte Einheiten, die vor den Werkstoren standen und draußen beim Händler sah es noch trostloser aus: Reihenweise kamen Fahrzeuge aus der Vermietung, noch dazu drängten sich nicht verkaufte Einheiten aus 2007 am Markt herum. Was alles für sich alleine kein Problem darstellte, doch gemessen an der knappen Finanzdecke vieler Händler potenzierte sich das Problem, riss z. B. Knaus in den Abgrund, sprich in die Pleite und machte auch dadurch allen anderen Anbietern das Leben nicht leichter. Es bewegte sich plötzlich nicht mehr viel. Der Flaschenhals war zu eng geworden, soviele Fahrzeuge passten da nicht mehr durch. 5% Ertrag sollte jede Firma der Hymer-Gruppe erwirtschaften, dann war man vor den Nachstellungen und Prüfungen der obersten Heeresleitung halbwegs verschont. Doch der Auslöser der Abwärtsspirale und Gifpel der Unfähigkeit waren die Banker. Während banker'sche Oberhäuptlinge noch selbstgerecht über die eigene Silberkrawatte strichen und zu vertuschen versuchten, was längst offenkundig lag, konzentrierte sich das Gewitter über der Caravaningbranche. Mit der allgemeinen Finanzblockade (ihrer Verweigerungshaltung Kredite zu bewilligen) schnürten diese weltweit die Garotte für die Campingfreunde; und wo sollten die sich nun noch Geld leihen, noch dazu für ein Hobby? Und der Markt war vollgeschüttet mit Freizeitfahrzeugen - wohin damit also? Die Bilanz des Musterschülers Versetzung fraglich? Das wäre zu einfach! Im letzten Vierteljahr 2008 wollte man noch mit verlängerten Ferien, ggfls. Kurzarbeit den Einstieg in den Ausstieg verhindern. Doch es half nichts. Hunderte sollten ihren Job verlieren. Einen Tag vor den CMT in Stuttgart ließ Vorstand Paff auf der Messe die Bombe hochgehen: 350 Arbeitspklätze werden abgebaut. Davon betroffen waren rund 100 Leiharbeiter, hinzukommen sollten noch 250 Stellenstreichungen in Deutschland. Getroffen hat es 100 Festangestellte und 100 Leiharbeiter in Bad Waldsee. Auch an den Standorten Koblenz und Kehl sollen 50 Arbeitsplätze
gestrichen werden. In Italien und Frankreich werden rund 100 Jobs
abgebaut. Zudem hat Hymer Hunderte Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt. Die Lage des Konzern selbst schilderte Vorstand Pfaff so: Die Erlöse seien um 17,8 Prozent auf 168,2 Millionen Euro eingebrochen. Eine
Prognose für die kommenden Monate wage man wegen der unsicheren und
angespannten Lage in der Branche nicht. Aber schon im abgelaufenen
Geschäftsjahr 2007/2008 (31. August) war der Gewinn bei Hymer um etwa
ein Drittel auf 17 Millionen Euro eingebrochen. Das Unternehmen habe auf die Absatzkrise mit einer Drosselung der Produktion um mehr als ein Viertel (26,8 Prozent) von September 2008 bis Januar 2009 reagiert, erklärte der Konzernchef in Stuttgart. Der Alltag des Musterschülers Der schaut auf einmal nicht mehr so rosig aus. Geschäftsleitung und Rekruten finden sich auf einmal in einer Veranstaltung der IG Metall wieder und mischen munter mit. Hier scheint es mehr um jeden Zentimeter Boden gegangen zu sein, als um den Transport von Informationen. Gelegenheit dazu hätte die hymer'sche Vorstandschaft allemal schon bei anderen Gelegeheiten gehabt - aber das gehört wohl zum "Großen Spiel" dazu. Der Wind ist kalt geworden und das Wort "Mangementfehler" fiel wohl nicht nur durch entlassene Hymer-Mitarbieter. So unschuldig auch mancher bei der Bilanzvorstellung dreinblickte, dies zeugte wohl mehr von einer guten schauspielerischen Leistung, als von eigener innerer Überzeugung. Musterschülers Abschluß 2007/2008 Zwar blieb der Absatz mit weltweit 26.103 Einheiten ungefähr auf
Vorjahresniveau, doch das operative Ergebnis* fiel mit 40,2 Millionen
Euro um 9,5 Millionen Euro unter den Wert des Vorjahres (*Operatives Ergebnis: Bruttoergebnis vom Umsatz, abzüglich Vertriebs-und allgemeine Verwaltungskosten, zuzüglich sonstige betriebliche Erträge abzüglich sonstige betriebliche Aufwendungen). In Frankfurt notierte die Aktie Ende Februar 09 bei rund 18 € fallend. In der Berichterstattung von SZON - das Internetportal der Schwäbischen Zeitung war dann in der Berichterstattung zur Aktionärs Hauptversammlung zu lesen: Zitat "Auch die Aktionäre müssen leiden - und sich heuer mit einer
Dividende von 88 Cent je Aktie bescheiden. Vor Jahresfrist waren es
noch 1,32 Euro. Wer, wie Erwin Hymer, annähernd 80 Prozent der vier
Millionen Aktien hält, verdient dennoch nicht schlecht. Ob er bereit
wäre, zugunsten der Mitarbeiter auf seine Dividende zu verzichten und
so zum Erhalt von 30 oder 35 Arbeitsplätzen beitragen wolle, fragte der
Tuttlinger Rechtsanwalt und Kleinaktionär Rainer Schad den
Firmenpatron. Erwin Hymer, der der Versammlung mit Ehefrau Gerda
beiwohnte, zeigte keine Reaktion." Und weiter "Auch die Vorstände Pfaff und Dr. Knüppel wollen nicht freiwillig
verzichten, beispielsweise auf ihre Bonus-Zahlungen. Die beiden Manager
erhalten zu ihrem Festgehalt eine "ergebnisorientierte" Vergütung, im
vergangenen Jahr zusammen 278 000 Euro." Die Hoffnung stirbt zuletzt Bleibt unter dem Strich zu hoffen, dass 2009 die Mittel wieder fließen, von denen, die sie heute horten, dazu gehören nicht nur die Banker, sondern auch etwas "betuchterte" Zeitgenossen, die mal ein Jährchen länger auf dem Geld sitzen bleiben können und nicht ohne Grund verunsichert in die Zukunft blicken. Bleibt noch unser mehr oder weniger geliebter Staat, der Unsummen für Bankenstützungen ausgibt (weil die zu dämlich waren ihr Geld den richtigen Leuten anzuvertrauen) und ein Konjunkturprogramm à la Verschrottungsprämie in der Caravaningbranche wohl kaum bis gar nicht ankommt. Und wenn die Verantwortlichen einen Schuldigen suchen, dann finden sie ihn bestimmt schnell: Die Berichterstatter, sprich die Presse.
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